Blick hinter die 360°-Kulissen

Eine große Idee und viele kleine Experimente: Vieles von dem, was jetzt hier zu sehen ist, hat der WDR zum ersten Mal gemacht. Wir haben viel probiert, manchmal vergebens. Aber auch viel dazu gelernt.

360°-Videos und VR-Inhalte herzustellen ist heutzutage noch ein Abenteuer. Bei herkömmlichen Audio- und Video-Produktionen gibt es erprobte Abläufe und über Jahrzehnte hinweg entwickelte Technik. Um den Dom in die virtuelle Welt zu bringen, haben wir unglaublich viel gebastelt und experimentiert – nicht alles hat perfekt geklappt. Drei Beispiele:

Kamera

360°-Videos werden heute oft mit kleinen “Actionkameras” produziert. Sechs davon werden in ein Gestell gepackt und filmen dann in alle Richtungen. Das funktioniert bei gutem Wetter und genügend Licht ganz gut. Im Kölner Dom kann es allerdings sehr dunkel sein. Nach ersten Tests war klar: Wir brauchen eine andere Lösung. Nachdem wir diverse Kameramodelle erfolglos durchprobiert hatten, blieb nur noch eine sehr spezielle Lösung übrig: Fünf sehr lichtstarke Spiegelreflexkameras in einem speziell konstruierten Metallgestell. Die Bildqualität dieser Lösung ist sehr gut, aber sie ist auch sehr fragil und fehleranfällig. Mehrfach haben uns Kameraprobleme einen eigentlich guten Take kaputt gemacht. Mal hatte sich während des Drehs eines der fünf manuell justierten Objektive verstellt – mal gabs ein Problem mit einer der Speicherkarten:die Dateien waren unbrauchbar, was sich aber leider erst nach dem Dreh herausstellte. Und wenn eine Kamera ausfällt, lässt sich aus dem Material kein 360°-Video mehr erzeugen.

Rundumblick

Die 360°-Kamera sieht alles. Das klingt zunächst trivial, aber vom Fernsehen sind wir gewohnt, dass das Team sich hinter der Kamera verschanzt und nur in eine Blickrichtung keine Technik zu sehen sein darf. Bei 360°-Aufnahmen ist das anders: Alles, was stören könnte, muss aus dem “Bild”. Und auch das Team muss sich verstecken. Erschwerend kommt hinzu, dass es nur eine sehr einfache Live-Vorschau gibt, auf der nicht immer alles zu sehen ist – für den Kameramann manchmal ein Blindflug. Diesen oder jenen Kollegen haben wir in unseren Aufnahmen erst entdeckt, als wir uns die Videos später im WDR auf einem großen Monitor angesehen haben.

Tonformate

Der WDR produziert schon seit langer Zeit Hörspiele mit Surround-Ton. Also in einem Tonformat, bei dem nicht nur zwischen links und rechts unterschieden wird, sondern auch zwischen vorne und hinten. Für VR-Inhalte ist das ideal – allerdings mussten wir feststellen, dass die vorhandene Bearbeitungssoftware zwar sehr hochwertige Dateien ausgeben kann, für unsere Apps und diese Homepage aber ein eher einfaches Format benötigt wird. Das konnte unsere Software nicht. Mit ein wenig Bastelei haben wir aber doch noch eine Lösung gefunden und viel über Tonformate gelernt.